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© 2010-2012 Musik in der Ev. Kreuzkirche Bonn am Kaiserplatz
Bühnenskizze, Christoph G. Amrhein

Johann Sebastian Bach

Johann Sebastian bach "Nicht Bach – Meer sollte er heißen!" (Ludwig van Beethoven)

Johann Sebastian Bach wird als achtes und letztes Kind des Stadtpfeifers Ambrosius und seiner Frau Maria Elisabeth 1685 in Eisenach geboren. Es ist eine musikalische Familie, die musicalisch-Bachischen, die seit dem 16. Jahrhundert schon als Stadtpfeifer, Kantoren und Organisten nachzuweisen sind.

Johann Sebastian ist erst 10 Jahre alt, als beide Eltern kurz hintereinander sterben. Der größere Bruder Johann Christian, Organist in Ohrdruf, nimmt ihn zu sich und erteilt vermutlich den ersten Unterricht auf der Orgel. Fehlende biografische Zeugnisse erschweren zuverlässige Aussagen, insbesondere über Bachs Jugend. So können wir auch nur annehmen, dass er das Geigenspiel schon beim Vater gelernt hat. Die Lateinschule in Ohrdruf verlässt er 1700, um das Michaeliskloster, eine Ausbildungsstätte für Musiker in Lüneburg zu besuchen. Sicherlich wird die ungemein schöne Sopranstimme [1] des nun 15-Jährigen nicht mehr lange im Mettenchor erklungen sein; jetzt wird das Orgel- und Geigen-Spiel in den Vordergrund treten. Von Lüneburg aus unternimmt er Reisen in die "nahegelegenen" Orte Hamburg und Celle, wo er sich in der norddeutschen Orgelkunst und in der französischen Instrumentalmusik fortbildet. Nach einem Intermezzo als Violinist in der Weimarer Hofkapelle tritt er 1703 seine erste – gleich fürstlich bezahlte – Stelle als Hoforganist an der Neuen Kirche in Arnstadt an.
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Schon mit 17 Jahren muss Bach als Orgel- und Tastenvirtuose ein großes Ansehen genießen, so dass der Ärger, den er sich wegen eines um das Vierfache überzogenen Urlaubs einhandelt, seiner beruflichen Laufbahn nicht weiter schadet. Ebensowenig die Kritik an seiner Musik, in die er "frembde Thone mit eingemischet, daß die Gemeinde drüber confundiret worden". [2]

1707 wird er in Mühlhausen Nachfolger von Johann Georg Ahle, einem namhaften Liedkomponisten und Musiktheoretiker. Wenige Monate später folgt die Eheschließung mit Maria Barbara Bach, einer im 2. Grad verwandten Base. Von den 7 Kindern haben Wilhelm Friedemann (*1710) und Carl Philipp Emanuel (*1714) Karriere als Musiker gemacht. Seine zweite Frau, die Sängerin Anna Magdalena Wilckens, heiratet er 1721, ein gutes Jahr nach dem Tod von Maria Barbara. Mit ihr hat er 13 Kinder, von denen einige Musiker werden, die meisten jedoch sterben früh.
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Mühlhausen scheint Bach nicht zu befriedigen. Es bleibt eine Durchgangsstation. Schon 1708 ist er als Hoforganist und Kammermusiker in Weimar, wo ihm eine bessere Bezahlung und Aufstiegschancen in Aussicht gestellt werden. So wird er 1714 zum Konzertmeister der aus 14 regulären Musikern bestehenden Kapelle mit der Verpflichtung, monatlich neue Stücke zu liefern. Inzwischen geht sein Ruf deutlich über die Landesgrenzen hinaus. Einige Schüler nehmen weite Wege auf sich, um von ihm unterrichtet zu werden. Aus seinem Ärger mit den Obrigkeiten resultiert ein 4-wöchiger Arrest. Bach verlässt Weimar, um die angesehene Stelle als Hofkapellmeister des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen anzutreten. Es ist eine kammermusikalisch produktive Zeit.

Sein stetiger Aufstieg führt den 38-Jährigen zu seiner letzten Stelle in der Universitätsstadt Leipzig. Als Thomaskantor bespielt Bach die beiden Hauptkirchen, ist Lehrer und Erziehungsbeauftragter für die in der Schule wohnenden Schüler. Als städtischer Musikdirektor hat er außerdem für die öffentliche Musik und damit für den Ruf der Stadt Leipzig zu sorgen. Seit 1729 obliegt ihm überdies die Leitung des von Telemann gegründeten "Collegium musicum", das sich regelmäßig im Zimmermannschen "Caffee-Haus" trifft. Bis zum ziemlich herannahenden Alter spielte er die Violine rein u. durchdringend und hielt dadurch das Orchester in einer größeren Ordnung, als er mit dem Flügel hätte ausrichten können. [3] In Leipzig entstehen die großen Passionen, das "Magnificat", komplettiert er die Kantatenjahrgänge und stellt die "h-Moll-Messe" zusammen.
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Konflikte mit den Vorgesetzten belasten ihn auch in Leipzig: Nachdem er eine Aufführung der "Johannespassion" in der Thomaskirche eigenmächtig angesetzt hat, wird er deutlich in die Schranken verwiesen. Immer wieder geht es um Rechte, die man Bach nicht einräumen will; Pflichtvergessenheit wirft man ihm vor. Seine Antwort darauf ist der "Kurtze, iedoch höchstnöthige Entwurff einer wohlbestallen Kirchen-Music" in dem er die Leipziger Verhältnisse mit ihrer misslichen personellen Ausstattung beklagt.

Die zunehmende Sehschwäche der letzten Jahre erschwert das Arbeiten und führt nach zwei erfolglosen Operationen, die Bach auch körperlich sehr zusetzen, schließlich zur Erblindung. Im Juli 1750 stirbt er.

Dr. Jutta Stüber

Quellenangaben


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Literatur

Meinrad Walter: Johann Sebastian Bach. Johannespassion Neuerscheinung Februar 2011: Meinrad Walter: Johann Sebastian Bach. Johannespassion. Eine musikalisch-theologische Einführung, erschienen in den Verlagen Carus und Reclam
Alfred Dürr: Johannespassion
Alfred Dürr: Johann Sebastian Bach: Die Johannes Passion: Entstehung - Überlieferung - Werkeinführung (Taschenbuch), erschienen im Bärenreiter Verlag
Schmitt: Das Evangelium nach Pilatus
Eric-Emmanuel Schmitt: Das Evangelium nach Pilatus, erschienen im Fischer Verlag
Martin Geck: Bach, Leben und Werk
Martin Geck: Bach, Leben und Werk (Taschenbuch), erschienen im Rowohlt Verlag
Klaus Wengst: Das Johannesevangelium
Klaus Wengst: Das Johannesevangelium, erschienen im Kohlhammer Verlag Walter Jens: Zeichen des Kreuzes
Walter Jens: Zeichen des Kreuzes. Vier Monologe, erschienen im Radius Verlag
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