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© 2010-2012 Musik in der Ev. Kreuzkirche Bonn am Kaiserplatz
Bühnenskizze, Christoph G. Amrhein

Johannespassion BWV 245

Johannespassion Johannespassion (Passio Secundum Johannem, BWV 245) von Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Aufführungen von geistlichen Oratorien waren um das Jahr 1723 – das Jahr des Amtsantrittes von Johann Sebastian Bach als Thomaskantor in Leipzig – in manchen deutschen Städten schon lange üblich. Aber der Rat der Stadt Leipzig war orthodox und glaubensstreng. Man sah es nicht gern, wenn Gottes Wort in allzu prächtiges Gewand gekleidet wurde. Um das Jahr 1720 aber waren Oratorien, die sich auch an der Oper orientierten, beim Publikum so beliebt geworden, daß nun auch in Leipzig zur Passionszeit Aufführungen stattfanden.

Uraufführung

Die Uraufführung der Johannespassion war am Nachmittag des 7. April 1724 während der Karfreitagsvesper in der Nikolaikirche.
Es musizierten Chor, Orchester, Solisten und Orgel gemeinsam. Die Johannes-Passion ist in vielerlei Hinsicht eines der faszinierendsten Werke Bachs: es ist ungewöhnlich, dass ein Komponist des Barock die Eigenheiten des einen Evangelisten sowohl textlich als auch musikalisch so deutlich herausarbeitet. Im 18. Jahrhundert war es eher üblich, eine Evangeliensynopse zu verwenden. Bach bearbeitet sein Werk in den folgenden Jahren so häufig, dass uns heute insgesamt vier unterschiedliche Fassungen überliefert sind.
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Passionsgeschichte

Die Passion setzt ein mit der Gefangennahme Jesu im Garten Gethsemane und der dreimaligen Verleugnung durch Petrus, während Jesus dem Hohenpriester vorgeführt wird. Im Zentrum der Leidensgeschichte steht das Verhör Jesu durch Pontius Pilatus, der keine Schuld an Jesus finden kann und ihn daher nicht verurteilen möchte. Aus Furcht vor der aufgebrachten Menge beugt sich Pilatus aber schließlich dem Willen des Volkes: Jesus wird auf dem Hügel Golgatha gekreuzigt. Geschildert werden im weiteren Verlauf die Entstehung der Kreuzesinschrift (Jesus Nazarenus, Rex Judäorum), das Würfeln um das Gewand des Erlösers und dessen letzte Worte am Kreuz: "Weib, siehe, das ist dein Sohn! – Siehe, das ist deine Mutter! – Mich dürstet! – Es ist vollbracht!". Die Johannes-Passion endet mit der Grablegung Jesu.

Bedeutung der Solisten

Die Solisten symbolisieren in ihrer stimmlichen Verschiedenartigkeit Einzelpersonen innerhalb der Gemeinde. Am deutlichsten wird diese Verschränkung bei der Gegenüberstellung von Bass und Choralgesang in der Arie Nr. 32 "Mein teurer Heiland"; inmitten des Gemeindegesangs "Jesu, der du warest tot" sinnt ein Mensch dankbar über das christliche Opfer nach. Insbesondere die Arien zeugen von Bachs musikalischer Bibelexegese – sind sie doch nicht nur Ruhepol, eine Art retardierendes Moment im Passionsdrama, sondern zugleich Reflexion. Das Passionsgeschehen wird in ihnen gedeutet, tonmalerisch verarbeitet, aus der Gegenwart betrachtet und ins Heute übertragen.
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Bedeutung des Chors

Musikalisch stellt Bach in der Johannespassion den Chor in den Mittelpunkt und überträgt ihm zwei große Rollen:
  1. Die Turba-Chöre (Darstellung des israelischen Volkes); die höchst dramatische Darstellung der Handlung.
  2. Die Choräle; damit schafft Bach eine übergeordnete Ebene, der zum Geschehen distanzierten Betrachtung und inhaltlichen Interpretation.
Das Johannes-Evangelium hat wenig Handlung, es lebt von den Jesusworten, von symbolischen Geschehnissen und von Gesprächen zwischen Jesus und unterschiedlichen Partnern. Auf diesem Hintergrund ist Bachs hochdramatische Komposition ein interessantes Stilmittel, zumal 12 der 14 Turbae-Chöre durch ein Netz von musikalischen Korrespondenzen eng miteinander verknüpft sind. Musik und Textgestaltung des Werkes fordern eine dramatische Umsetzung geradezu heraus.

Die Handlung in den Rezitativen und Chören wird in den Arien und Chorälen auf eine allgemeinere Ebene gehoben, die eine heutige Interpretation ermöglicht. Dadurch sind sowohl der Text als auch die Musik, vor allem aber die Botschaft, die geistigen und geistlichen Anregungen dieser großartigen Komposition auch heute noch für uns relevant.

Karin Freist-Wissing
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Termine 2011

Veranstaltungsort:
Ev. Kreuzkirche Bonn

Aufführungen am:
So  3.4.2011 19 Uhr
Fr  8.4.2011 19 Uhr
Sa  9.4.2011 19 Uhr
Sa  9.4.2011 23 Uhr
So 10.4.2011 19 Uhr
[Rahmenprogramm]

Kartenvorverkauf bei BonnTicket: Tickethotline 0228-502010
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