© 2010-2012 Musik in der Ev. Kreuzkirche Bonn am Kaiserplatz
Bühnenskizze, Christoph G. Amrhein

Musikalisches Konzept

"[...] die Johannespassion [...] um vieles kühner, gewaltiger, poetischer als die Matthäuspassion; wie gedrängt, wie durchaus genial, namentlich in den Chören, und von welcher Kunst!"

Das schreibt Robert Schumann am 2. April 1849 an den Hamburger Musikdirektor G.D. Otten über eines der größten Kunstwerke, die die Welt je hervorgebracht hat.

In unseren Tagen gehört die Johannespassion von Johann Sebastian Bach mit zu den am meisten aufgeführten musikalischen Werken überhaupt. Gleichzeitig können immer weniger Menschen mit den barocken Texten und religiösen Inhalten etwas anfangen. Die Aufführungen werden weitgehend zu rein ästhetischen Erlebnissen.

Lina do Carmo Immer wieder gibt es Versuche, die Bach'schen Werke in unsere Zeit zu übersetzen, allen voran das Tanz-Theater zur Matthäuspassion von John Neumeier (Hamburg). Die Johannespassion ist weit schwieriger ins Theater zu übersetzen, weil sie von den Dialogen der Gerichtsverhandlung einerseits lebt, auf der anderen in den Turbae-Chören realistisch-dramatische Volksszenen beschreibt. In den letzten Jahren wurde die Johannespassion mehrfach in "zeitgenössischem" Gewand als Gegenwarts-Theater aufgeführt (z.B. Oberhausen 2009), die Musik mit heutigen Klangmitteln verfremdet, die Szenen neu geschrieben. Einen weiteren neuen Ansatz verfolgt beispielsweise das Tanztheater "Pitié!" (Matthäuspassion), 2008 in Bochum aufgeführt und inszeniert von Alain Platel. In dieser Aufführung wird ein einziger Aspekt der Bach'schen Passion herausgelöst und zum neuen "Programm" von "Pitié!".

Ich möchte mit unserer Inszenierung eine Brücke schlagen. Eine Brücke, die aus dem Jahr 100 n. Chr., der Entstehungszeit des Johannes-Evangeliums, bis zu Johann Sebastian Bach reicht, dem genialen Schöpfer dieser Musik, und von dort bis in unsere heutige Zeit, zu uns heutigen Menschen, unseren Gedanken, unserem religiösen Bewusstsein in einer modernen Welt des Fortschritts, aber auch der politischen und ökologischen Weltkrisen.

Ich möchte mit Hilfe von Tanz, Film und Theater die Musik und die Handlungen nicht einfach nur "nachspielen" und "verstärken", ich möchte sie interpretieren, erweitern, neue Gedankenebenen schaffen, die Auseinandersetzung und neues Nachdenken über Bekanntes provozieren.

Lina do Carmo Das Tanzensemble von Lina Do Carmo (Köln) wird nicht die handelnden Personen verdoppeln oder die gesungenen Szenen in Tanz umsetzen, es wird ein poetischer Überbau sein, eine fantasievolle Weiterentwicklung der inhaltlichen, zeitlosen Aussagen von Text und Musik bis in unsere heutige Welt. Schon Bach hat in den Arien und Chorälen eine zweite, eine interpretierende Ebene geschaffen, um dem Hörer die Möglichkeit zu geben, sich mit dem Gehörten zu identifizieren, und es so in seinem eigenen Leben zur Gültigkeit, zu einem Wert zu machen. Diese Aufgabe haben nun die Tänzer und Sänger, ohne die Musik zu überlagern.

Die Bühne ist so gestaltet, dass das Publikum mitten im Geschehen ist und Anteil nehmen kann. Tänzer, Solosänger und Choristen brechen in dieser Inszenierung die Barriere zwischen Aufführenden und Publikum auf und tragen das Geschehen direkt zu den Hörenden und Sehenden.

Im Mittelpunkt der Johannespassion stehen die Dialoge zwischen Jesus und Pilatus. Es sind Streitgespräche über Wahrheit, über Menschenliebe und Freiheit in der Wahl des eigenen Verhaltens. "Tue einem Menschen Gutes und du schaffst das Paradies, tue einem Menschen Böses und du schaffst die Hölle" (Amos Oz). Diese christlichen, wie auch ethischen oder humanistischen Fragen sind heute genauso relevant wie vor 300 oder gar 2000 Jahren. In der Bach'schen Johannespassion werden sie auf ganz und gar ergreifende Weise gestellt und verhandelt. Ob diese Musik und ihre Inszenierung auch Antworten geben, entscheidet jeder Hörer selbst.

Karin Freist-Wissing

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Termine 2011

Veranstaltungsort:
Ev. Kreuzkirche Bonn

Aufführungen am:
So  3.4.2011 19 Uhr
Fr  8.4.2011 19 Uhr
Sa  9.4.2011 19 Uhr
Sa  9.4.2011 23 Uhr
So 10.4.2011 19 Uhr
[Rahmenprogramm]

Kartenvorverkauf bei BonnTicket: Tickethotline 0228-502010

Förderer und Sponsoren



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