© 2010-2017 Musik in der Ev. Kreuzkirche Bonn am Kaiserplatz
Bühnenskizze, Christoph G. Amrhein

Pressestimmen


Musik und Kirche: Zwischen Bebilderung und Abstraktion

Szenische Johannespassion in der Bonner Kreuzkirche

Von Guido Krawinkel
Was ist Wahrheit? Das ist eine der zentralen Fragen des Johannesevangeliums und eine, die man sich auch bei der Realisierung eines außergewöhnlichen Projektes an der Bonner Kreuzkirche gestellt hat. Die Johannespassion von Johann Sebastian Bach als Musik-Tanz-Theater wurde dort von dem Regisseur Christoph G. Amrhein realisiert, der bereits 1997 ebendort Bachs Matthäuspassion in Szene gesetzt hat.

Um die Frage nach der Wahrheit aufzuwerfen, hat man in der Kreuzkirche einen erheblichen Aufwand betrieben. Das Mittelschiff der riesigen Kirche ist komplett von Bänken befreit. Statt ihrer thront eine ringförmige, von einem Stoffhimmel überwölbte und von mit Scheinwerfern bestückten Gerüsten flankierte Bühnenkonstruktion inmitten der Kirche, in deren Innenraum das Orchester der Kreuzkirche sitzt. Über dessen Köpfe hinweg führt eine Brückenkonstruktion, auf deren mittiger Plattform sich ein Großteil der Aktion abspielt. Mit einbezogen wird aber der ganze Kirchenraum, etwa durch Vox Bona, den Kammerchor der Kreuzkirche, der verschiedene Positionen einnimmt, oder den Evangelisten, der permanent zwischen Emporen, Kirchenschiff und Kanzel wechselt.

Damit das musikalisch überhaupt funktionieren kann, sind an mehreren Stellen in der Kirche Bildschirme positioniert, auf denen die Akteure das Dirigat der musikalischen Leiterin des Abends, Kreuzkirchenkantorin Karin Freist-Wissing, verfolgen können. Der Aufwand ist also enorm und durchaus mit dem vergleichbar, den man an professionellen Opernhäusern betreibt. Etwaige Zweifel, ob das überhaupt gut gehen kann, wurden bei der Premiere schnell zerstreut. Es geht gut. Sehr gut sogar, denn Chor und Orchester folgen Freist-Wissings glasklar strukturiertem Dirigat selbst in den komplexen Turba-Chören mit bemerkenswerter Präzision. Die vokale Gestaltung durch Vox Bona ist ohnehin wie gewohnt mustergültig und auch das Orchester spielt mit beispielhafter Präsenz. Herausragend ist die individuelle Gestaltung vieler Choräle, wo wirklich im eigentlichen Wortsinn musikalische Exegese betrieben wird. In dieses positive Bild fügt sich die Solistenriege um Jesus-Darsteller Erik Sohn und den Evangelisten Thomas Klose bruchlos ein.

Und die Inszenierung? Amrhein ist mit dem Anspruch angetreten, eher Fragen aufzuwerfen statt sie zu beantworten. Ein ehrlicher Standpunkt, die Frage ist nur, welche Fragen er überhaupt aufwirft. Die Anlage der Bühne nutzt den Kirchenraum auf höchst originelle Weise und auch symbolträchtige, die emotionale Verfassung der Protagonisten verdichtende Bilder findet Amrhein immer wieder. Hierzu tragen nicht zuletzt auch die tänzerischen Elemente bei, die sechs Tänzer in einer von Lina do Carmo verantworteten Choreografie beitragen. Andererseits begibt Amrhein sich mit einigen Einfällen unter das von ihm selbst gewählte Abstraktionsniveau, etwa durch das reichlich plakativ anmutende Blitzgewitter in der Szene, in der der Vorhang im Tempel zerreißt. In solchen Momenten bleibt es bei einer reinen Bebilderung, doch insgesamt überwiegt das Eindrucksvolle in dieser geringfügig auf knapp zwei Stunden eingedampften szenischen Version der Johannespassion.

Köln-Bonner Musikkalender: Bachs Johannespassion als Musik – Tanz – Theater (April 2011)

Von Verena Düren
Eigentlich kennt man es zu Genüge – Fastenzeit ist auch die musikalische Passionszeit. Selbst wenn man als Konzertbesucher immer wieder ausgesprochen gute Interpretationen hören darf, so heben sie sich doch meistens eher weniger voneinander ab. Ganz anders bei der gerade erlebten Aufführung der Bach’schen Johannespassion in der Kreuzkirche in Bonn. Zwar handelte es sich auch hier um ein häufig interpretiertes Werk, aber die Art der Umsetzung als Musik – Tanz – Theater im Kirchenraum war absolut außergewöhnlich. Bereits seit mehreren Wochen wurde das Mittelschiff der Kirche dominiert von einer sechseckigen Bühne mit erhöhtem Podest in der Mitte, unter dem das Orchester der Kreuzkirche seinen Platz fand. Im Mittelpunkt der Inszenierung von Christoph G. Amrhein steht Pontius Pilatus (dargestellt von Christian Palm), der über Jesus richten soll, aber durch die Begegnung mit diesem in den Grundfesten seiner Macht erschüttert wird. Dieser Konflikt wurde in der Kreuzkirche neben der Musik um eine weitere Ebene ergänzt: Der Kammerchor der Kreuzkirche, VOX BONA und eine Gruppe von Tänzern um Choreografin Lina do Carmo verkörperten die zwei Gegenpole des menschlichen Charakters – Aggression und Mitgefühl. Besonders eindringliche Beispiele waren hier die "Kreuzige"-Rufe des Chores, bei denen der Chor den Darsteller des Jesu, Erik Sohn, auch auf der Bühne bedrängte. Als Gegenpol zu der aggressiven Seite im Menschen trafen die abschließenden Chöre "Ruht wohl" und "Ach Herr, laß dein lieb Engelein" einen bis ins Mark. Als historische Personen standen Chor und Tänzern als großartige Solisten u.a. Charlotte Quadt (Maria Magdalena), Sebastian Kohlhepp (Petrus) und Thomas Klose (Evangelist) zur Seite. In dieser Inszenierung der Johannespassion ist es dem Team Christoph G. Amrhein, Lina do Carmo und Karin Freist-Wissing (Künstlerische Leitung) auf hervorragendste Weise gelungen, diesen packenden Konflikt ergreifend und vielschichtig umzusetzen und ihn dabei auf eine überzeitliche Ebene zu holen. vd

Kultur in Bonn: Jesus in Jeans

Ein dynamisches Klangmonument in der Kreuzkirche. Großer Erfolg der Premiere der Johannespassion.

Von Almut Stärk
Szenenfoto, Probe 1, Kreuzige, Foto: Ralf Bauer Die Zuschauerreihen sind um eine Rundbühne in der Mitte der Kreuzkirche angeordnet. Jesus kommt in Jeans und ein bisschen zu spät. Dann schreitet der Chor durchs Publikum zur Bühne und stellt sich am Rand auf – direkt vor den Zuschauern. Was die Zuschauer in den folgenden zwei Stunden zu sehen bekommen, ist eine einfallsreiche, frische Inszenierung der Johannespassion von Johann Sebastian Bach.

Von der lässigen Kleidung Jesu darf man sich nicht irreführen lassen: Der majestätische Gesamteindruck des Oratoriums bleibt gewahrt und wird unterstrichen von der beeindruckenden Bühnenkonstruktion, einem Aufbau auf zwei Ebenen, der in seiner Mitte das Orchester beherbergt. Dieses Monument aus Klang wird belebt von der naturgemäß großen Zahl von Mitwirkenden: Chor, Solisten, Orchester. Dieses Ensemble wird noch erweitert von einigen Tänzern.

Denn es handelt sich bei der Inszenierung auch um ein Tanzstück, geleitet von der Choreografin Lina do Carmo. Der Heilige Geist ist eine Tänzerin. Andere Tänzer untermalen gestisch die Handlung. So wird das das Bühnengeschehen für den Zuschauer verständlich und die Aufführung gewinnt an Dynamik.

Auch die Solisten und der Chor haben an der szenischen Umsetzung teil und nehmen immer wieder neue Positionen in der Kirche ein. Dank der Akustik des Sakralraums wird so die gesamte Kirche mit Klang gefüllt. Niemand ist auf Dauer weit vom Geschehen entfernt – die Unmittelbarkeit hält die Zuschauer in Atem.

Durch die Verteilung des Chors im Raum kommt jede Stimme zum Tragen, der Zusammenklang ist anders als gewohnt. Vox Bona, der Chor der Kreuzkirche, setzt diese ungewöhnliche Idee unter der Leitung von Karin Freist-Wissing erfolgreich um. Letzere leitet auch das Sinfonieorchester, welches das Oratorium gemeinsam mit dem Organisten Stefan Horz begleitet.

Die Inszenierung unter der Regie von Christoph G. Amrhein trägt den Titel „Was ist Wahrheit?“. Sie will Fragen aufwerfen, keine Antworten geben. Inhaltlich soll nicht nur die konkrete biblische Handlung im Vordergrund stehen, sondern ganz abstrakt menschliche Verhaltensweisen beleuchtet werden. Mut und Feigheit des Einzelnen stehen der Macht und Grausamkeit der Gruppe gegenüber. So wird das religiöse Stück auch für die Zuschauer zugänglich, für die die Passionsgeschichte an sich keine Bedeutung hat.

Tosenden Applaus erntet die Inszenierung vom Publikum, in dem sich alle Altersklassen wiederfinden. Innovativ, aber nicht zu exzentrisch, lebendig und dynamisch, aber nicht verwirrend, ist die Inszenierung rundum gelungen. Sie schafft es, zu unterhalten, ohne dem feierlichen religiösen Werk den Ernst zu nehmen.

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Das aufgebrachte Volk opfert Jesus

In der Kreuzkirche wird eine dramatische Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach aufgeführt

Von H.D. Terschüren
Probenfoto, Foto: Meike Böschemeyer Bonn. Die Kreuzkirche führt Bachs Johannes-Passion in diesem Jahr fünfmal auf, nach der Premiere am Sonntag noch kommenden Freitag, Samstag, Sonntag jeweils um 19 Uhr und am Samstag noch in einer zusätzlichen Spätvorstellung um 23 Uhr. Wer in der Premiere saß, wunderte sich nicht: Christoph G. Amrhein, multimedialer Gestalter von Kirchenmusikräumen, hat die Johannes-Passion als sehr aufwändiges Musik-Tanz-Theater inszeniert. Da sind vier Wiederaufführungen eher wenig.

Man saß auch nicht in der Oper, verriet das Programm, das, anders als gewohnt, die Dirigentin zuletzt nannte. Dabei profitierte Karin Freist-Wissing von Amrheins akustischer Einrichtung zu allererst. Was man im romanischen Ausland oft sieht, griff Amrhein auf, als er die Decke niedrig hängte mit das Mittelschiff ausfüllenden Stoffbahnen in halber Höhe über dem Spielpodest und darunter dem Orchester, das wie in einer Konzertarena in der Mitte platziert war mit dem Vorzug kurzer Direktabstrahlung.

Selten hat man Passionen, was den Klang angeht, so schön gehört wie diesmal. Karin Freist-Wissing hat sich bedient und neben den Solisten exzellenten Streicher- und Bläserklang vorgeführt und speziell Bachs konzertierende Oboen zaubern lassen. Was für ein Wunder ist diese Musik doch, der die Turbae-Chöre von Vox Bona, dem Kammerchor der Kreuzkirche, mit ihren scharfen Einwürfen die Dramatik einbrachten. "Kreuzige! Kreuzige" und "Nicht diesen, sondern Barrabas!" schrillt das aufgebrachte Volk und opfert Jesus. Dramatik ist natürlich auch der Zugewinn einer solchen Inszenierung. Auch im Sinne von Verdeutlichung. Schwarzgekleidete Choristen, die Fäuste geballt, bilden die Turbae in jähem Hervorstürzen ab. Pilatus sitzt auf hohem Stuhl. Lina da Carmo hat die Bewegungsabläufe der Tänzer (Marc Kubiki kennt man noch von Johann Kesniks Truppe) und Tänzerinnen großräumig choreografiert.

Sehr eindrucksvoll ist der Kreuzweg, die Tänzer tragen Jesus über sich als Kreuz gespreizt. Vorher haben sie für Pilatus den roten Baldachin geschleppt. Inszenierung und Choreografie beanspruchen also sehr viel Raum. Aber sie bestreiten der Musik nicht den ihren. Wie auch, die Chorleiterin des Vox-Bona-Ensemble, Karin Freist-Wissing, hat ein sehr gutes Vokalensemble zusammengestellt. Ganz vorn der fein artikulierende Evangelist von Thomas Klose, für die Sopran-Arien war die exzellente Theresa Nelles engagiert. In den Rollen sangen Charlotte Quadt ausdrucksvoll Maria Magdalena, spielerisch aufgewertet hat die Regie die Pilatusfigur (Christian Palm), auch Erik Sohn durfte mehr singen als den üblichen "würdevollen" Jesus.

General-Anzeiger Bonn: Suche nach Wahrheit

Umjubelte Premiere der szenischen Johannespassion in der Kreuzkirche

Von Bernhard Hartmann
Bonn. Die Liebe Gottes ist eine Tänzerin. Ihre Bewegungen zur Musik der Bach'schen Johannespassion erzählen ebenso wie ihre Blicke immer vom Leiden, vom Schmerz. Die von Lina do Carmos eindringlich verkörperte Personifizierung der Liebe Gottes ist, obwohl sie im Textbuch gar nicht vorkommt, eine zentrale Figur in der beeindruckenden, vom Publikum begeistert aufgenommenen Inszenierung der Passion, die in der Bonner Kreuzkirche Premiere hatte.

Im Purpurrock wird Jesus verspottet. Szene mit Erik Sohn und Tänzern. Foto: Kreuzkirche In der Mitte der Kirche, dort wo sonst Kirchenbänke stehen, tanzt sie barfuß und ganz in Weiß auf einer erhöhten Plattform, die die Form eines in die Länge gezogenen Sechsecks hat. Um sie herum stehen und hocken, ganz in Schwarz, die Sängerinnen und Sänger des Chores, unter die sich auch weitere, ebenfalls schwarz gekleidete Tänzer mischen. Im Innern sitzen die Musiker des Orchesters. Umringt wird die Bühne vom Publikum, die Zuschauer in den aufsteigenden Reihen im Altarraum säumen gleichsam den Weg zur Kreuzigungsstätte.

Diese Johannespassion will weder Oper, noch Ballett, noch Passionsspiel sein. Aber aus klugen Anleihen bei den Genres schöpft die Inszenierung ihre Überzeugungskraft. Sie nimmt sich der Handlung in einer sehr stilisierten Weise an, die nahezu ohne theaterübliche Requisiten auskommt. Nicht einmal ein Kreuz muss Jesus tragen. Wenn Jesus stirbt, steht hinter ihm mit ausgebreiteten Armen die "Liebe Gottes". Ein Bild, über das es sich nachzudenken lohnt.

Dass in dieser szenischen Umsetzung der Leidensgeschichte Jesu kein Tropfen Theaterblut fließen sollte, darin waren sich die musikalische und künstlerische Leiterin Karin Freist-Wissing und der Regisseur und Ausstatter Christoph G. Amrhein einig. Ihnen ging es darum, verschiedene theologische und philosophische Aspekte der Passionsgeschichte zu beleuchten, weshalb sie auch die Rolle des Pilatus stark herausarbeiteten. Christian Palm spielt ihn als einen Menschen, der die Wahrheit sucht und dem das Zweifeln nicht fremd ist.

Regisseur Amrhein findet auch einen schönen und verblüffend einfachen Weg zu zeigen, wie Jesus als Gottes Sohn vor allem Mensch ist: Mit einem Büchlein und der Eintrittskarte in der Hand sucht er als einfacher Zuschauer einen freien Platz. Dass er der Auserwählte ist, scheint ihm erst allmählich bewusst zu werden. Der hochgewachsene, schlanke Erik Sohn ist hier eine Idealbesetzung. Auch die weiteren Solisten Theresa Nelles, Charlotte Quadt, Sebastian Kohlhepp und vor allem Thomas Klose als Evangelist zeigen in dieser szenischen Passion erstaunliche Souveränität.

Wie die Solisten singen auch die Chorsänger auswendig. Immer wieder ziehen sie die Aufmerksamkeit auf sich, wenn etwa die packenden Turba-Chöre, die "Kreuzige!"-Rufe mit dramatischer Wucht durchs Kirchenschiff hallen. Obwohl der Chor nicht klassisch nach Stimmgruppen aufgestellt ist, sondern gemischt, ist das Ergebnis selbst in aktionsreichen Szenen ungeheuer präzise - eine professionelle Leistung als Ergebnis langer Probenarbeiten. Karin Freist-Wissing koordinierte das musikalische Zusammenspiel von Solisten, Chor und dem Orchester der Kreuzkirche zugleich glutvoll, stilsicher und mit viel Umsicht.

Info Weitere Termine: Fr 8.4., 19 Uhr, Sa 9.4., 19 Uhr und 23 Uhr, So 10.4., 19 Uhr. Karten u.a. in den GA-Ticketshops.
Artikel vom 05.04.2011

rhein-musikalisch.de: "Wir machen keinen Bibelfilm"

'Kreuzige' - VOX BONA als Akteur, Foto: Ralf Bauer BONN. Die wütende, hasserfüllte Volksmenge, die die Verurteilung Jesu erzwingt: Johann Sebastian Bach hat ihr in den Turbachören der Johannespassion packende musikalische Gestalt gegeben. Mit ein wenig Phantasie sieht man die eifernden Menschen vor dem inneren Auge. Einen Schritt weiter in Richtung Bildhaftigkeit geht das Projekt "Johannespassion 2011" der Kreuzkirche. Die Bachsche Musik erhält dabei durch szenisch-tänzerische Elemente eine zusätzliche Sinndimension, der Chor "Vox bona" wird zum Darsteller, ein sechsköpfiges Tanzensemble setzt elementare Motive wie Wut, Hass oder Liebe in Bewegung um. Eine Bühne beherrscht den Innenraum der Kirche, die Zuhörer erleben das Geschehen unmittelbar mit. Aber es bleibt beim asketischen Realismus mit wenigen Requisiten. "Wir machen keinen Bibelfilm", sagt Regisseur Christoph G.Amrhein.

Premiere am Sonntag, 3. April, 19 Uhr, weitere Aufführungen am Freitag, 8., Samstag, 9. und Sonntag, 10. April, jeweils 19 Uhr. Eine Spätvorstellung außerdem am Samstag, 9. April um 23 Uhr. Ausführlicher Bericht über die ersten Eindrücke einer Probe folgt. Mehr Infos hier auf "rhein-musikalisch" unter der Rubrik "Pläne, Proben und Projekte" und unter www.johannespassion2011.de. mnz

Konzertmitschnitt vom 5. März 2005

General-Anzeiger Bonn: "Bewegende Leidensgeschichte"

Johannes-Passion in der Bonner Kreuzkirche
CD-Rezension von Bernhard Hartmann

Johannespassion Cover Bonn. Zwar erklingen die großen Passionen von Johann Sebastian Bach in diesem Jahr (2006, Anm. d. Red.) nicht in der Kreuzkirche, dafür jedoch wurde die Produktion der Johannes-Passion, die von den Musikern der Kreuzkirche im vergangenen Jahr mit großem Erfolg aufgeführt worden war, auf zwei CDs konserviert und jetzt veröffentlicht.


Notensymbol Kreuzige (mp3)
Lasset uns den nicht zerteilen (mp3)
Ruht wohl (mp3)

Kreuzkirchenkantorin Karin Freist-Wissing, unter deren Leitung die Aufnahme entstand, hat ein sehr gutes Gespür für die dramatischen Gewichtungen der Passion, die Choräle können sich in aller Ruhe entfalten, während die wütenden Turba-Chöre etwa der Gerichtsszene ("Kreuzige, kreuzige!") mit dramatischem Impuls vorgetragen werden, was aber keineswegs auf Kosten einer sehr kultivierten Artikulation geht.

Das hat Karin Freist-Wissing mit dem ausgezeichneten Kammerchor der Kreuzkirche "VOX BONA" sehr sorgfältig einstudiert. Bewegend ist die Gestaltung des Chores "Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine", die von einer perfekten Balance zwischen Chor und Orchesterbegleitung getragen wird.

Die Johann Christian Bach-Akadademie, Stammgast in der Kreuzkirche, unterstützt den Gesang auf historischen Instrumenten mit rhythmisch pointiertem und, wo es passt, auch mit fast entspannt federndem Spiel. Bach hat in der Passion, wie in all seinen oratorischen Werken, zahlreiche solistische Instrumentalpartien eingesetzt, die mit ausgezeichneten Musikern besetzt sind, zu denen Ingeborg Scheerer (Viola d'amore), Ina Stock (Oboe) und Monika Mayer (Flöte) und einige andere zählen.

Sehr schön ist auch die abwechslungsreiche Gestaltung des Continuo-Parts durch die Johann Christian Bach-Akademie, wobei die Verwendung einer Laute einen ganz besonderen Reiz ausmacht. Und dass im Eingangschor ("Herr, unser Herrscher") tatsächlich das von Bach vorgeschriebene "Bassono grosso", eine Art Kontrafagott, Verwendung findet, verleiht dem Bassfundament des eindringlichen Satzes eine beeindruckend sonore Klangfülle.

Die Partie des Evangelisten befreit der vorzügliche Tenor Marcus Ullmann von aller deklamatorischen Steifheit und hält die Erzählung durch eine sehr lebendige Vortragsweise bis zum Schluss spannend. Ingeborg Danz' Altstimme beeindruckt mit sinnlicher Tiefe. Ihre beiden Arien ("Von den Stricken meiner Sünden" und "Es ist vollbracht") zählen zu den vokalen Höhepunkten der Aufnahme.

Christiane Rost (Sopran), Thomas Laske (Bass; Arien und Pilatus) und Erik Sohn (Bass; Jesus) runden das Solistenensemble stimmlich ab.
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CD

Konzertmitschnitt der Johannespassion vom 5.3.2005

Johannespassion Cover
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Literatur

Meinrad Walter: Johann Sebastian Bach. Johannespassion Neuerscheinung Februar 2011: Meinrad Walter: Johann Sebastian Bach. Johannespassion. Eine musikalisch-theologische Einführung, erschienen in den Verlagen Carus und Reclam
Alfred Dürr: Johannespassion
Alfred Dürr: Johann Sebastian Bach: Die Johannes Passion: Entstehung - Überlieferung - Werkeinführung (Taschenbuch), erschienen im Bärenreiter Verlag
Schmitt: Das Evangelium nach Pilatus
Eric-Emmanuel Schmitt: Das Evangelium nach Pilatus, erschienen im Fischer Verlag
Martin Geck: Bach, Leben und Werk
Martin Geck: Bach, Leben und Werk (Taschenbuch), erschienen im Rowohlt Verlag
Klaus Wengst: Das Johannesevangelium
Klaus Wengst: Das Johannesevangelium, erschienen im Kohlhammer Verlag Walter Jens: Zeichen des Kreuzes
Walter Jens: Zeichen des Kreuzes. Vier Monologe, erschienen im Radius Verlag
© 2010-2017 Musik in der Ev. Kreuzkirche Bonn am Kaiserplatz